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Bohrst du noch oder pumpst du schon oder pumpst du noch oder bewässerst du schon?

Dieser Arikel richtet sich speziell an die Besitzer eines Gartenbrunnen und wird viele selbsternannte "Experten" erzürnen lassen

Der sogenannte Gartenbrunnen wird im Web unter vielen Bezeichnungen gefunden wie Rammbrunnen, Schlagbrunnen, Spülbrunnen, Bohrbrunnen, Schachtbrunnen, Beregnungsbrunnen etc.. und wird oft unter abenteuerlichsten Bedingungen gern von so genannten Experten gebaut. Diese Brunnen haben dann oft Probleme und sind dann auch schnell mit der Wasserförderung am Ende. Warum ist das so? Siehe auch unter Problemlösung!

Unter Vernachlässigung jeglicher Vorplanung, also die Recherche bezüglich der Geologie (Aufbau der Boden und Gesteinsschichten) sowie der Hydrologie (Lage der Grundwasserhorizonte und vor allem der Grundwasserstauer) und ganz zu schweigen von der rechtlichen Genehmigung (nicht angemeldete Brunnen bei der unteren Wasserbehörde sind illegal!!!) werden dem ahnungslosen Laien "Brunnen" gebohrt.

Mit der Behauptung von Erfahrungswerten werden Bohrtiefen von z.B. 15 m als völlig ausreichend angegeben. Diese Erfahrungswerte dürften wohl eher der maximalen Arbeitstiefe der Bohrgeräte der "Experten" entsprechen. Rammbrunnen und Schlagbrunnen können mit der heutigen Rammsondiertechnik bis zu maximal 15 m niedergebracht werden und nur bis zu einem Durchmesser von maximal 80 mm. Wenn dann die selbstentwickelten Spiel-Spül-Bohr Konstruktionen (der Begriff Spülbohrgerät sollte hier nicht verunglimpf werden) zum Einsatz kommen und oft unter hohem Frischwasserverbrauch Bohrlöcher niedergebracht werden, welchen dann im Felsgestein schnell zum stehen kommen ist der Erfolg quasi nicht garantiert.

Man muss sich halt selbst einmal fragen ob die sogenannten "Expertenbrunnen" für 500,- € bis 800,-€ ohne Rechnung ihren Preis wirklich wert sind. Wenn es so einfach wäre Brunnen zu Bohren, warum kauft sich ein Brunnenbauer dann ein schweres Bohrgerät für 150.000,-€ bis 350.000,-€ und gibt das gleiche Geld noch einmal für Bohrgestänge, Bohrmeißel, Spülpumpen, Absetzcontainer, Kompressoren und anderer Ausrüstung aus? Zum Vergleich wird ein vom Brunnenbauer gebohrter Brunnen bis etwa 15 m Tiefe und 100 mm Brunnenausbau etwa 2.500,-€ bis 3.500,-€ netto kosten.

Getreu dem Motto : Bohrst du noch oder pumpst du schon? Wollen wir uns jetzt einmal den Problemen der Gartenbrunnen zuwenden.

Grundsätzlich ist die Verringerung der Wasserförderung durch die Verstopfung der Brunnenfilter verursacht, diesen Vorgang nennt man auch Brunnenalterung. Diese Verstopfungen sind entweder durch abgelagerte Feinstoffe wie z.B. Sand und Schluff im Filter und in den Filterschlitzen des Brunnenrohres und oder durch Verockerungen verursacht. Verschleimungen können auch diesen Effekt hervorrufen.

Unter Verockerung versteht man die Ablagerung von Eisen, Mangan, Aluminium und Calcit welche durch biologische Prozesse hervorgerufen wird. Biologisch deshalb weil durch im Grundwasser lebende Bakterien und andere Lebewesen die Inhaltsstoffe des Grundwassers verwertet werden und die Umwandlungsprodukte zu den Ablagerungserscheinungen im Brunnen führen. Dieser natürliche Prozess wird vor allem von Wasserwerken genutzt, denn die biologische Reinigung des Grundwassers durch die im Untergrund lebenden Organismen kostet nichts und ist höchst effektiv. Um Flusswasser in Trinkwasser zu verwandeln nutzt man sogenanntes Uferfiltrat. Dabei wird Flusswasser in ein nach unten offenes, mit Sand gefülltes Becken gepumpt und versickert. Das ins Grundwasser versickerte Flusswasser wird dabei von Feinstoffen gefiltert. Die Bakterien und Organismen im Grundwasser fressen dann im Wasser verbliebenen Stoffen. Auch giftige Stoffe können diese Lebewesen umsetzten. Deshalb wird diese Methode sogar bei der Sanierung von Kontaminationen im Boden genutzt.

Warum lagern sich die Umwandlungsprodukte der Bakterien im Brunnen ab?

Wie sie sich sicher vorstellen können ist das Leben im Untergrund mit dicht gelagertem Sand, Kies, Fels nicht so einfach. Die Bewegungsfreiheit ist wegen der minimalen Porenräume eingeschränkt. Also muss eine Bakterie von dem Leben was das Grundwasser beim Vorbeiströmen mittransportiert. Da das Grundwasser in der Regel langsam fließt, versucht das Bakterium sich an Orten aufzuhalten wo viel Wasser, schnell vorbei strömt.  Da ist der Brunnen natürlich der ideale Lebensraum. Am Besten im Bereich der Kiesschüttung und an den Filterschlitzen. Hier wird das Grundwasser durch den Pumpbetrieb extrem beschleunigt und fördert somit in kurzer Zeit viel Nahrung für die Bakterien. Diese Bakterien siedeln deshalb an den Bereichen mit erhöhtem Wasserfluss und vermehren sich bei ausreichendem Nahrungsangebot relativ schnell. Die Ausscheidungsprodukte wie Eisen, Mangan, Aluminium und Calcit lagern ich in den Porenräumen der Kiesschüttung, den Filterschlitzen, im Gebirge, in der Unterwasserpumpe und der Steigleitung ab. Je größer die Ablagerungsquote desto geringer die Wasserförderung. Verockerungen sind also auch von der Wasserchemie abhängig. Je mehr Eisen oder Mangan im Wasser gelöst ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Verockerung.

Die Verstopfung des Filters durch Sand , auch Kolmation genannt, hat verschiedene Ursachen. Ein Möglichkeit ist die unzureichende Entwicklung des Brunnen nach Fertigstellung. Ein Brunnen sollte nach dem Bau Intensiventsandet werden, dass bedeutet das mit einer großen Fördermenge Wasser aus einem Abschnitt des Brunnen gepumpt wird bei möglich gleichzeitiger Druckstoßeintragung um Materialbrücken im Filterkies und Gebirge aufzubrechen und abzufördern. So baut sich neben dem Brunnen ein natürliches Filtergerüst auf. Wird darauf verzichtet, ist eine rasche Alterung des Brunnes vorprogrammiert.

Problem erkannt und jetzt? Was kann man dagegen machen? Chemie rein, abpumpen und fertig?

Hier muss zur äußersten Vorsicht raten geraten werden. Die Einbringung und Verwendung von Chemikalien im Grundwasser ist durch die untere Wasserbehörde genehmigungspflichtig! Die Verunreinigung des Grundwassers ist durch das Wasserhaushaltsgesetz § 5 verboten und wird mit bis zu 5 Jahren Haftandrohung bestraft. 

Einige Anbieter im Internet bieten chemische Regeneriermittel an wie ein Zeitungskiosk Bonbons. Natürlich ist die Anwendung ganz einfach und der Erfolg garantiert. Auf den ersten Blick schein das auch so zu sein. Nach Einfüllen der Chemie in den Brunnen und einer gewissen Einwirkungszeit pumpt man braun, schwarze Brühe aus dem Brunnen bis das Wasser wieder klar wird und fertig ist die Laube. Der Brunnenfördert wieder Wasser. Aber wie lange fördert er wieder? Wie weit sind die Verockerungen und Verstopfungen im Brunnen entfernt. Ist der Brunnenboden auch gesäubert worden? Hat man die Pumpe und die Steigleitung auch gereinigt? Ist das abgepumpte Wasser auch neutralisiert worden?

Viel Fragen und keine wirkliche Antwort.

Dann schreiten wir jetzt einmal zur Tat.

Grundsätzlich sind mechanische Reinigungsverfahren den chemischen immer vorzuziehen, nur wenn es nicht anders geht kommt Chemie zum Einsatz!

Eine mechanische Reinigung kann folgendermaßen durchgeführt werden:

Durch den Einsatz einer Hochdruckspülung (mindstens ein Hochdruckgerät mit mindestens 100 bar) mit Rotationsdüsen, bei gleichzeitigem Abpumpen, werden die Filterschlitze im Brunnen effektiv gereinigt und Ablagerungen entfernt. Durch Kolben des Brunnen bei gleichzeitigem abpumpen können Materialbrücken im Kiesfilter und im Locker- und oder Festgestein aufgebrochen werden und abgefördert werden. Noch besser ist der Einsatz eines Impuls Druckwellen Generators.

Nach dem Reinigungsprozess sollte der Brunnen ausreichend klargepumpt werden. Wenn das Wasser klar geworden ist, sollte eine Sandmessung durchgeführt werden. Dies kann relativ einfach dadurch geschehen indem man 1 m³ Wasser durch einen handelsüblichen Wasserfilter spült und die im Filtersieb verbleibende Sandmenge mit einer feinen Waage misst.

Wenn der Brunnen noch viel Sand fördert kann das zwei Ursachen haben:

  1. Die Intensiventsandung ist nicht ausreichend.
  2. Die Filterschlitze und der Filterkies sind zu groß.

Im ersten Fall sollte man die Intensiventsandug wiederholen. Im zweiten Fall ist der Brunnen auf Dauer nicht zu retten und muss bitte von einem Profi (Fachfirma, Brunnenbauer) neu gebohrt werden.

Sollte nach der mechanischen Reinigung noch nicht genug Wasser aus dem Brunnen gefördert werden können, ist der Alterungsprozess wahrscheinlich schon soweit fortgeschritten das die mittlerweile verfestigten Ablagerungen nur noch chemisch aufgelockert werden können. In diesem Fall sollte man sich die Pumpe und Steigleitung genau ansehen um die Art der Verockerung zu erkennen. Rote Ablagerungen sind Eisenablagerungen. Schwarze Ablagerungen bestehen aus Mangan. Je nach Ablagerungstyp sollte man das Regeneriermittel auswählen. Wichtig ist das Lesen der Bedienungsanleitung und der technischen Sicherheitsangaben sowie die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften die vom Hersteller angegeben werde müssen. Da es sich in der Regel um ätzende Chemikalien handelt sollte die Verwendung von geeigneter Sicherheitskleidung in ihrem eigenen Interesse selbstverständlich sein. Die schönen Werbebilder von in Sommerkleidung hantierenden Damen bei der Handhabung der Chemikalienbeutel ist unverantwortlich!

Wenn das Regeneriermittel in den Brunnen eingebracht worden ist, sollte mindestens durch Kolben versucht werden das Mittel in die Filterschlitze und in den Kiesfilter einzuarbeiten. Dazu kann eine mit einem Gewicht beschwerte Walzenbürste oder eine Stange mit einer Manschettenscheibe zum Einsatz kommen. Nach der vorgeschriebenen Einsatzzeit muss die Chemikalie aus dem Brunnen ausgefördert werden. Die Schmutzwasserbrühe sollte in einem großen Fass aufgefangen und entsprechend der Bedienungsanleitung neutralisiert werden. Erst dann kann das Wasser den Vorschriften entsprechend entsorgt werden.

Erneut wird der Brunnen klargepumpt und die Sandmessung wiederholt.

Kommt jetzt immer noch nicht genug Wasser ist der Brunnen nicht mehr zu retten und muss leider von einem bitte professionellen Fachmann neu gebohrt werden.

Sollten sie immer noch nicht weiter wissen senden sie uns eine Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder rufen uns an unter 0201-8301132.

Dieser Artikel hat mich einen Sonntag gekostet, ich hoffe er war es wert.

Glück auf.

Hier ist noch ein nützlicher Link zum Bundesumweltamt für private Brunnenbesitzer: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/gesundes_trinkwasser_barrierefrei_mai_2013.pdf

 Pumpst du noch oder bewässerst du schon?

Alle Angaben ohne Gewähr.